Bei meiner dritten (genau genommen bereits vierten) Interrail-Reise startete ich in München und fuhr mit dem Zug über Venedig, nach Rom und Neapel bis nach Sizilien und zurück nach München. Während ich bei meiner ersten Interrail-Reise alleine unterwegs war, bin ich dieses Mal mit einem guten Freund gereist.
Venedig – Ein kurzer, aber dennoch eindrucksvoller Auftakt
Unser erster Halt war Venedig, wo wir eine Nacht verbrachten. Die engen Gassen und zahlreiche Kanäle sind sehr bewundernswert und laden zu Spaziergängen ein. Für nur 2€ kann man die Stadt sogar mit einer kurzen Überfahrt von einer Kanalseite zur anderen erkunden – ein kleines, aber sehr besonderes Erlebnis. Zum Abendessen waren wir in der Trattoria Alla Palazzina, dort war die Pasta wirklich empfehlenswert, allerdings war der Hauswein etwas wässrig. Am nächsten Morgen frühstückten wir im Café “Dolce Vita Venezia”, die ein recht gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben.
Rom – Komfort in der 1. Klasse und eine gute kulinarische Küche
Nach diesem kurzen Venedig-Abstecher ging es mit dem Frecciarossa in der 1. Klasse weiter nach Rom. Das Upgrade lohnt sich auf jeden Fall, da Getränke und Snacks inklusive sind und man oft bequemer sowie ruhiger sitzt. In Rom angekommen, stärkten wir uns zunächst mit einem kleinen Snack im La Casa Del Suppli, bevor wir in der Osteria del Velodromo Veccio zu Abend aßen. Am nächsten Morgen gab es ein leckeres Frühstück im Fatti di Farina Appia, gefolgt von einer Erkundungstour durch das Zentrum Roms. Der Markt Campo de Fiori konnte mich nicht wirklich überzeugen, dafür ist der Besuch des Pantheon absolut lohnenswert: Seine Geschichte und Architektur sind beeindruckend (am besten Tickets vorab online kaufen; es gibt vergünstigte Tarife für junge Leute).
Anschließend genossen wir einen Aperitivo im lebhaften Studentenviertel Trastevere – sehr zu empfehlen – und tranken Vino in der entspannten Latteria Trastevere. Später gönnten wir uns noch einen Aperol Spritz in der beliebten Studentenbar San Calisto. Zu Abend haben wir in der Hosteria Grappolo D’Ore gegessen, wofür man am besten vorab reserviert. Dort schmeckt insbesondere die Pasta und der Fisch sehr gut. Am darauffolgenden Tag haben wir uns das Kolosseum (mit Ermäßigung für junge Leute) angeschaut und hatten am Nachmittag eine Führung durch das Vatikanmuseum. Zwar kann man das Museum auch gut ohne Führung erkunden, aber geführt erfährt man doch mehr über die einzelnen Räume. Nach 17 Uhr hat man zudem gute Chancen, den Petersdom ohne lange Warteschlangen von innen zu besichtigen.
Neapel – Mein persönlicher Favorit
Tags darauf fuhren wir weiter nach Neapel. Gleich nach der Ankunft gönnten wir uns frittierte Pizza und Hauswein in der Pizzeria La Masardona – Case Nuove Napoli. Am Nachmittag schlenderten wir durch die Straßen rund um San Lorenzo, bekannt für die Krippenstraße, und warfen sogar einen Blick auf die politische Fakultät der Universität Neapel, wo einige Räume von autonomen, linksextremen Studierenden besetzt sind. Leider wird die ansonsten schöne Universität von diesen Studierenden durch Beschmierungen verunstaltet.
Den Abend verbrachten wir in Montecalvario, wo wir einen Spaziergang machten und anschließend in der Osteria La Chitarra aßen. Allerdings war das Essen dort nicht der Hit, da ich meine Sardellen zweimal nachsalzen musste. Aber die Vorspeisen und der Wein waren lecker. Am nächsten Tag entspannte ich zunächst etwas, bevor ich mich spätnachmittags auf den Weg zum Castel Sant’Elmo machte, um den Sonnenuntergang mit Blick über Neapel zu genießen. Der Ausblick ist fantastisch, allerdings wird inzwischen Eintritt verlangt. Mit ein paar Zwischenstopps – unter anderem in einem kleinen Supermarkt, wo ich Oliven, Käse und Brot kaufte – schlenderte ich durch die engen, dunklen Gassen und nahm schließlich einen stark verspäteten Bus zu unserem Airbnb.
Catania – Zugfahrt über das Meer
Am nächsten Tag sollte es eigentlich nach Catania gehen, doch aufgrund einer über einstündigen Zugverspätung kamen wir erst später los. Beeindruckend war allerdings die Fährüberfahrt des Zuges über die Straße von Messina – ein besonderes Erlebnis! In Catania angekommen, aßen wir abends in der Weinbar “Razmataz”: Besonders der Ätna-Rotwein, Risotto und die Suppen sind sehr zu empfehlen. Tags darauf frühstückten wir in der Bar Pasticceria Spinella und fuhren anschließend mit dem E-Scooter zum Strand. Nach einer Besichtigung der Altstadt gab es mittags Fisch im Scirocco (sehr zu empfehlen, besonders die Sardellen und der Tagesfang!) und abends landeten wir erneut in der Weinbar Razmataz.
Am folgenden Tag ging es erst auf den Markt, wo ich frische Zitronen, Oliven und Sardellen kaufte. Anschließend probierte ich im Restaurant Vuciata Kitchen Market eine Pasta alla Norma, ein bekanntes sizilianisches Pastagericht. Abends bereitete ich die gekauften Sardellen selbst zu – gar nicht so schwer, lediglich etwas anstrengend beim Reinigen. Später genossen wir köstliche Arancini im Munno Arancinu und einen Aperol in einer lebhaften Studentenbar.
Am Sonntagmorgen wurden wir von einem Faschingsumzug geweckt: Eine Marching Band und ein heiliger Turm zogen durch die Straßen Catanias. Spontan schloss ich mich mit nur vier Stunden Schlaf an. Das Frühstück in der Labes Contemporary Bar war allerdings enttäuschend – sowohl teuer als auch qualitativ mäßig. Mittags kehrten wir wieder ins Scirocco ein und dort hatte ich den Tagesfang. Anschließend checkte ich im Ostello degli Elefanti Hostel ein, wo ich einen entspannten Nachmittag bei Sonnenuntergang und Blick auf den Ätna auf der Dachterrasse verbrachte. Das Hostel ist sehr zu empfehlen, denn abends gibt es dort sogar kostenlose Pasta – einzig das Frühstück war nicht überzeugend, aber ebenfalls kostenlos. Nach dem Abendessen ließ ich den Tag mit ein paar Mädels aus meinem Zimmer und einem Ätna-Spritz auf dem Rooftop ausklingen, wobei wir uns über politische und kulturelle Themen austauschten.
Am nächsten Morgen besuchte ich noch einmal den Markt, um mir ein “Pacco da giù” zusammenzustellen – dabei gab es faire Preise, auch wenn ich an einem Stand leider übers Ohr gehauen wurde. Bevor ich mich auf den Weg zum Nachtzug machte, holte ich mir noch Pizza für die Fahrt und köstliche Cannoli (mit Ricotta oder Schokolade) in der Panificio Leotta. Nachmittags ging es schließlich mit dem Nachtzug nach Bologna und von dort zurück nach München.
Fazit
Neapel hat mich von allen Orten am meisten begeistert. Catania war überraschend teuer und ohne Auto und gute Vorbereitung ist es schwierig, viel von Sizilien zu sehen. Daher möchte ich auf jeden Fall zurückkommen und mir den Ätna genauer anschauen – das war dieses Mal aufgrund der mehrmaligen Ausbrüche leider nicht möglich. Trotzdem bleibt die Reise unvergesslich und zeigt, dass Italien immer wieder eine Reise wert ist.

